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200. Todestag

Mal eine Ausnahme: heute wird einem Todestag gedacht, nicht einem Geburtstag. Königin Luise von Preußen ist nun seit 200 Jahren tot.

Bild: wikimedia

Besuchen kann man sie jetzt sogar online. Die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat sich einen ganz großen coup geleistet. Damit die Kinder gar nicht mehr aufstehen müssen um eventuell in die Schlösser zu kommen, können diese jetzt das Schloss Charlottenburg (weitere sollen im Herbst folgen) vom Sofa oder vom Schreibtischstuhl aus „erforschen“. Aus der Presseerklärung: „Das Angebot für Sechs- bis Zwölfjährige denkt das Medium Internet konsequent für Kinder um und geht damit neue Wege in der Kulturvermittlung.“ Die sehen dann so aus, dass das Kind gar nicht erst ins Schloss kommen muss. Scheinbar eine politische Entscheidung, das Geld in solch einen sinnlosen Webauftritt zu stecken, anstatt das Geld in die dringend zu verbessernde und zu erneuernde Museumspädagogik der Stiftung zu stecken. Hier sind von geschätzten 1.200 Mitarbeitern bei der SPSG (die Mitarbeiter der eigenen Zeitarbeitsfirma Fridericus mitgerechnet), gerade einmal 30% einer Vollzeitstelle für die Museumspädagogik, deren Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit, zuständig. Und das in einer Stiftung, die UNESCO-Welterbe verwaltet – das E steht ja eigentlich für Education, das S und das C sind intern scheinbar wichtiger. Auch deshalb gilt für die SPSG immer noch nicht, was die Stiftung Preußischer Kulturbesitz schon vor über einem Jahr einführte: keine Eintrittspreise für Kinder bis 16 Jahre. Und Besuchergruppen mit Museumspädagogen wird weiterhin der Zugang zum Schloss Sanssoucci vorenthalten, interne Begründung hierfür: das hohe Besucheraufkommen. Aus konservatorischen Gründen weis man aber auch dieses zu reglementieren, warum nicht auch aus educatorischen?

Die SPSG braucht eine Bildungsinitiative, einen Aufbruch in der Museumspädagogik bzw. Schloß- und Parkvermittlung.Die quantitative Abfertigung muss einer qualitativ hochwertigen Betreuung möglichst kleiner Gruppen von nicht mehr als 20 Teilnehmern weichen. Mittel für das Personal dürften ja genug da sein, wenn man sich die läppischen Personalkosten anschaut, die bei ca. 10 Euro pro h für die freien Mitarbeiter liegen, durch welche größtenteils das tägliche Angebot bestritten wird. Stellt man das in Relation zu den anzunehmenden Kosten für die Website, so wäre schon dieses Jahr mehr zu erwarten gewesen. Vermutlich muss man doch auf 2012 hoffen, denn dann muss die Stiftung auch auf dieser Seite protzen, das Neue Palais will nach der Restaurierung genauso neu erklärt werden wie das neue Friedrichbild – nicht nur den Erwachsenen, aber auch denen!

Inzwischen können die kleinen Plagegeister wenigstens nicht alles anfassen, sondern haben ihre schmutzigen Griffelchen an der Maus….

…und später werden sie einfach Fan von Königin Luise, wer auch immer das sein soll. Gefällt mir!

Pablo Picasso: Le pigeon aux petits pois

Bild: burusi.wordpress.com

Von einem „Verbrechen gegen das kulturelle Erbe der Menschheit“ spricht der Pariser Kulturbeauftrage Christophe Girard. Das Musée d´art moderne de la ville de Paris, nicht zu verwechseln mit dem im Centre Pompidou ansässigen Musée National d´Art Moderne, beherbergt eine hochkarätige Sammlung, vorrangig von Gemälden der Moderne. Nun ist in der Nacht zu Donnerstag ein Dieb durch ein Fenster eingestiegen, und hat fünf Bilder, darunter das Bild Picassos, Le pigeon aux petits pois (Taube mit Erbsen), aus dem Rahmen geschnitten. Neben dem Picasso vermisst das Museum Werke von Matisse, Modigliani, Braques und Legére. Ersten Schätzungen, der Schaden würde sich auf eine halbe Milliarde Euro summieren, widersprach das Museum inzwischen, der Wert der gestohlenen Kunst wird auf der Internet-Seite des Museum inzwischen mit 90 – 100 Millionen Euro beziffert.

Inzwischen recherchierte die Zeitung „Le Parisien„, indem sie die Wachleute befragte, dass die Bewegungsmelder nicht funktionierten. Zwar wurde eine männliche Person beim Eindringen durch ein Fenster von einer Überwachungskamera erfasst, da die Überwachung des Gebäudes aber durch Rundgänge der Sicherheitskräfte erfolgte, und die Räume im abgedunkelten Zustand auf den Monitoren der Sicherheitsanlage kaum zu sehen waren, konnte die Person unbehelligt die fünf Bilder aus den Rahmen schneiden und sich absetzen.

Interessant ist die Frage nach dem Motiv eines solchen Diebstahls, denn die fünf Gemälde dürften unverkäuflich sein. Ob sich ein wohlhabender Kunstsammler tatsächlich einen Ganoven für den Diebstahl angeheuert hat, ob der Dieb eigennützig handelt und sich an den Bilder im stillen Kämmerlein erfreuen mag, oder ob ein Kleinkrimineller die Gunst der Stunde nutzte, nicht ahnend, dass ihm kein Hehler die heiße Ware abnehmen wird, bleibt abzuwarten. Die Ermittlungen sind in vollem Gange.

290. Geburtstag

heute: Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, geboren am 11. Mai 1720 in Bodenwerder, auch genannt der „Lügenbaron“.

Bild: goethezeitportal.de

Bild: zeno.org

zum Schmunzeln

Da wirft eine Russin eine Tasse auf die Mona Lisa, was schonmal recht zwecklos ist, da diese weiterlächelt, da sie durch ordentliches Panzerglas geschützt ist, und dann steht im Netz nur, die Frau leide wohl unter dem Stendhal-Syndrom. Nun gut, das mag sein, aber woher bekam die Frau eigentlich die Tasse, und wer läuft bitte mit einer Teetasse durch den Louvre? Na, und wenn man schon mit Tassen auf Kunst wirft, sollte man doch wenigstens gepolsterte Tassen nehmen:

Bild: kunst.gymszbad.de

Dass das Ausstellen von Kunst immer ein Wagnis ist, davon zeugen verschiedene Angriffe auf die Kunst. Erst 2007 reinigten Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes in Kassel die Straßen von einem Kunstwerk, was durch aufgeklebte Folien auf die Straße aus der Fahrbahnmarkierung Kreuze gemacht hatte. 2004 machte eine Frau auf einer Skulptur während der Präsentation der Flick-Collection im Hamburger Bahnhof einen Handstand und beschädigte diese damit. Dabei rief sie „Flick, ich vergebe dir!“ Bekannt ist auch die Fett-Ecke von Joseph Beuys, die eine Putzfrau kurzerhand beseitigte. Brennende Kunst kann auch von der Feuerwehr zerstört werden. Manch Künstler geht mit der Zerstörung seiner Kunst aber auch sehr souverän um, so Ai Weiwei, dessen Skulptur auf der documenta 2007 vom Wind zum Einsturz gebracht wurde, oder der Künstler Yadegar Asisi, der sein Gemälde „Rom CCCXII“ mit Ausstellungsbesuchern gemeinsam zerstörte, um Platz zu schaffen für neue Kunst.

auf Abriss

Bild: wildchina.com

Die Altstadt der chinesischen Stadt Kashgar, auch Kairo des Ostens genannt und eine der kulturhistorisch bedeutendsten islamischen Städte Zentralasiens, wird gerade zu großen Teilen abgerissen. Chinesische Behörden geben vor, 85% der Altstadt zu Gunsten gleichförmiger, angeblich erdbebensicherer Gebäude nieder zu walzen. Nur 15% der Altbausubstanz soll für die Touristen im Rahmen eines Freilichtmuseums erhalten werden. Kashgar ist eine der wichtigsten Städte der Uiguren. Diese wehren sich seit langem gegen die Unterdrückung ihrer Kultur, besonders heftig aber bei den Unruhen der letzten Tage. Nun soll scheinbar deren kulturelles Rückrat durch diesen Abriss gebrochen werden.

mehr Informationen: gfbv.de

352. Geburtstag

heute: König Friedrich I. in Preußen, geboren am 11. Juli 1657 in Königsberg.

Bild: erstes-garderegiment.de

Frauen zuerst!

„Die Venus vom Hohle Fels“  [Bild: smh.com.au]

Die älteste bekannte Darstellung eines Menschen ist in Tübingen präsentiert worden. Archäologen hatten die Figur im Alb-Donau-Kreis beim Ort Schelkingen entdeckt. Sie besteht aus Mammut-Elfenbein, welches in sechs Teile zerbrochen war. Die Figur ist weiblich, die Brüste und die Vulva sind hervorgehoben, die Arme, Beine und der Kopf sind nur rudimentär dargestellt. Eine Öse an der Figur lässt darauf schließen, dass sie einst an etwas angehängt wurde, vielleicht trug man sie um den Hals, womöglich als Fruchtbarkeitssymbol? Die Figur ist ca. 40.000 bis 35.000 Jahr alt und gibt den Archäologen einige Rätsel auf, denn die Anfänge der Kunst in diesem Gebiet wurden bisher eher mit Tier und Mensch-Tier-Figuren in Verbindung gebracht, etwa dem berühmten Löwenmensch (s.u.), jetzt gibt es die erste gefundene Darstellung eines Menschen. Die Venus vom Hohle Fels (so nennt man die Figur nun) erinnert natürlich erst einmal an die Figur der Venus von Willendorf (s.u.), der bisher bekanntesten Darstellung einer Frau aus der Steinzeit, von der man dachte sie wäre der Beginn dieser Art der Darstellung. Nur, dass die Venus von Willendorf ca. 15.000 Jahre später in der Geschichte anzusiedeln ist. Nun wissen wir, dass diese in einer langen Tradition steht.

Die Venus von Willendorf (links) und der Löwenmensch (rechts) [Bilder: nhm-wien.ac.at (links); erlangen.de (rechts)]

Diese Woche ist er wieder, der immer noch von den meisten Grand Prix genannte Eurovision Songcontest. Da letztes Jahr ein Russe gewonnen hat findet die Veranstaltung dieses Jahr in Moskau statt. Und die russische Regierung lässt sich diese Chance der Werbung in ganz Europa nicht entgehen. Angeblich hat Ministerpräsident Putin im Vorlauf der Veranstaltung gleich zweimal die Halle inspiziert um sicher zu gehen, dass alles nach seinen Wünschen abläuft. Wie das dann aussieht, konnte man am Dienstag beim ersten Semi-Finale sehen. Nachdem die Leitungen für die Abstimmung geschlossen worden waren, trat der große Chor der Roten Armee auf und sang ein kleines Potpourri, unter anderem mit der russischen Popband t.A.T.u., wobei im Hintergrund ein übergroßer, rosa Panzer und ein Kampfjet aufgebaut wurden. Während also der Chor der Armee singt, in den Paradeuniformen, und somit als Militärs deutlich zu erkennen, werden die Waffen bunt angemalt präsentiert, allein ihre Wirkung verlieren sie damit nicht. Es bleiben Waffen, mit denen Menschen getötet, Kriege geführt werden. Auf einem Wettstreit um das „beste Lied“ Europas, der ja eigentlich ein friedlicher sein soll, sollte diese Zurschaustellung militärischer Stärke, auch in rosa, nichts zu suchen haben. Vielleicht sind die Waffen ja auch deshalb auf der Bühne gewesen, um Georgien ein eindeutiges Signal zu geben, denn Georgien trat mit einem antirussischen Lied an „We Don´t Wanna Put In“. Dieses Lied wurde aber von der European Broadcasting Union als zu politisch angesehen, Georgien wurde disqualifiziert und trat auch nicht mit einem umgeschriebenen Text oder neuem Lied wieder an. Im georgische Lied, welches mit „Put In“ ein Wortspiel auf Putin vorweist, kommen nachfolgend im Text  „to kill“ und „to shoot“ vor. Ein wohl eindeutiger antirussischer Beitrag der wohl auf den Krieg zwischen Russland und Georgien 2008 zurückzuführen ist.

Hier der Auftritt des Chores:

Eine neue Internetseite listet erstmals alle kostenfreien Angebote auf, die die Hauptstadt zu bieten hat. Darunter nicht nur die großen altbekannten Einrichtungen wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (jeden Donnerstag von 18:00-22:00 freier Eintritt) und das Deutsche Guggenheim Museum (jeden Montag freier Eintritt), sondern auch Lesungen, Ausstellungen und musikalische Veranstaltungen. Alle Informationen findet man unter: freeguide-berlin.de

44. Geburtstag

heute: Christophe Marguet, geboren am 14. Mai 1965, Schlagzeuger. Marguet ist Teil des Stéphane-Koroyan-Trios mit dem er hier „18 rue d´Alger“ spielt:

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