Mal eine Ausnahme: heute wird einem Todestag gedacht, nicht einem Geburtstag. Königin Luise von Preußen ist nun seit 200 Jahren tot.
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Besuchen kann man sie jetzt sogar online. Die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat sich einen ganz großen coup geleistet. Damit die Kinder gar nicht mehr aufstehen müssen um eventuell in die Schlösser zu kommen, können diese jetzt das Schloss Charlottenburg (weitere sollen im Herbst folgen) vom Sofa oder vom Schreibtischstuhl aus “erforschen”. Aus der Presseerklärung: “Das Angebot für Sechs- bis Zwölfjährige denkt das Medium Internet konsequent für Kinder um und geht damit neue Wege in der Kulturvermittlung.” Die sehen dann so aus, dass das Kind gar nicht erst ins Schloss kommen muss. Scheinbar eine politische Entscheidung, das Geld in solch einen sinnlosen Webauftritt zu stecken, anstatt das Geld in die dringend zu verbessernde und zu erneuernde Museumspädagogik der Stiftung zu stecken. Hier sind von geschätzten 1.200 Mitarbeitern bei der SPSG (die Mitarbeiter der eigenen Zeitarbeitsfirma Fridericus mitgerechnet), gerade einmal 30% einer Vollzeitstelle für die Museumspädagogik, deren Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit, zuständig. Und das in einer Stiftung, die UNESCO-Welterbe verwaltet – das E steht ja eigentlich für Education, das S und das C sind intern scheinbar wichtiger. Auch deshalb gilt für die SPSG immer noch nicht, was die Stiftung Preußischer Kulturbesitz schon vor über einem Jahr einführte: keine Eintrittspreise für Kinder bis 16 Jahre. Und Besuchergruppen mit Museumspädagogen wird weiterhin der Zugang zum Schloss Sanssoucci vorenthalten, interne Begründung hierfür: das hohe Besucheraufkommen. Aus konservatorischen Gründen weis man aber auch dieses zu reglementieren, warum nicht auch aus educatorischen?
Die SPSG braucht eine Bildungsinitiative, einen Aufbruch in der Museumspädagogik bzw. Schloß- und Parkvermittlung.Die quantitative Abfertigung muss einer qualitativ hochwertigen Betreuung möglichst kleiner Gruppen von nicht mehr als 20 Teilnehmern weichen. Mittel für das Personal dürften ja genug da sein, wenn man sich die läppischen Personalkosten anschaut, die bei ca. 10 Euro pro h für die freien Mitarbeiter liegen, durch welche größtenteils das tägliche Angebot bestritten wird. Stellt man das in Relation zu den anzunehmenden Kosten für die Website, so wäre schon dieses Jahr mehr zu erwarten gewesen. Vermutlich muss man doch auf 2012 hoffen, denn dann muss die Stiftung auch auf dieser Seite protzen, das Neue Palais will nach der Restaurierung genauso neu erklärt werden wie das neue Friedrichbild – nicht nur den Erwachsenen, aber auch denen!
Inzwischen können die kleinen Plagegeister wenigstens nicht alles anfassen, sondern haben ihre schmutzigen Griffelchen an der Maus….
…und später werden sie einfach Fan von Königin Luise, wer auch immer das sein soll. Gefällt mir!
